(das stand jetzt den ganzen Tag in der Warteschleife und ist bisserl überholt, aber sei's drum...)
Ich verstehe was du meinst. Schöpfungshöhe, Lichtbild und Lichtbildwerk mal außen vor ([Gäste sehen keine Links] -- wir hatten es ja hier schon mehrfach), und du hast ja Recht: potentiell sind das alles erstmal kreative und vielleicht auch künstlerische Schöpfungen. Und dokumentarische Arbeiten können zugleich künstlerischen Wert haben und anders herum. Allerdings, es kommt doch darauf an, in welchen Rahmen, in welchen Kontext ich das stecke, also mit welchem Beipackzettel ich dieses Kommunikations-Ding versehe…? Ich meine, es macht doch einen Unterschied, ob ich meine Bilder als Fotoreportage mit entsprechenden Texten anpreise oder, bei denselben Bildern, Marions Flaschentrockner in den Ausstellungsraum stelle, elektronische indische Musik dazu und schreibe, jedes Fotos sei nach dem Konsum dreier Weinflaschen entstanden und stelle die dadurch geläuterte Reinheit des Geheimnisses der Entropie dar …
Ob ich im ersten Fall (mal wieder zu Müll am Strand..) auf eine Klage wegen Rufschädigung hoffen dürfte (wegen der Publicity..) sei mal dahingestellt, aber gar im zweiten Fall?
Na gut, die Bilder können natürlich in beiden Fällen mehr oder weniger geklaut sein, auch da hast du natürlich Recht!
Also eigentlich sind das zwei sich teilweise überschneidende Problemfelder:
A - Das mit dem Urheberrecht
B - Das mit (nicht) versprochener und (nicht) eingehaltener Authentizität bzw. Wahrheit
Ich denke, das ist erstens) ein sehr weites und komplexes Feld, das für jeden Einzelfall anders aussehen kann. Und zweitens), dass KI-Kunst da kein Alleinstellungsmerkmal innehat. Die Probleme gibt und gab es ja schon immer, wenn sich Werke auf ein anderes beziehen oder ein anderes als Ausgangsbasis nehmen. Ein schönes Beispiel ist die sog. appropriation art. Da wurde schon viel gestritten und prozessiert. Jeff Koons z.B. der in einem Rechtsstreit um seine Arbeit „String of Puppies“ verloren hat. Das Gericht erkannte es nicht als Parodie an, da das Ursprungs-Foto zu unbekannt war (u. a.). Einen späteren Streit um die Arbeit „Niagara“ von 2000 gewann er allerdings. Grundlage der Argumentation war, dass es sich um eine faire Nutzung (fair use) handele, weil die Zweitverwendung „transformative“ sei, neue Ästhetik und Erkenntnisse ermögliche und der Charakter somit ein ganz anderer sei… Hm. Dieser Artikel der Schweizer Anwältin Irène Suter-Sieber hier referiert das 2016 knapp und verständlich:
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Ich finde, da ist schon – ganz ohne KI – sehr viel von unseren Problemen hier drin… Das war jetzt ein amerikanisches Beispiel. In der Schweiz, schreibt sie, sei das strenger und dort würde die Appr. Art generell unter Plagiatsverdacht gestrellt.. Es wird deutlich, wie schwierig das ist und wie unterschiedlich es bewertet werden kann. Und mit KI wird’s nicht einfacher…
Trotz aller Unterschiede – Auch in @cornettos Fall käme es ja irgendwie darauf an, wie man diese Transformation, den ästhetischen-semantischen Zugewinn bewertet… (Ich bin übrigens absolut kein KI-Apologet!! Aber ich denke, es ist gut, sich dem Drachen produktiv (entgegen) zu stellen und finde Bernds Ansatz mit dem Text-Werk-Bild spannend ...
Gruß, thal
Hier noch weitere, etwas neuere Artikel:
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Und eine ganze, grundlegende Dissertation zu dem Thema von Eva-Maria Bauer (2020):
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