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A-dabadabadi - Kunst und KI - darf man das?

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A-dabadabadi - Kunst und KI - darf man das?

Beitrag von thalasseus »

Heyho,
(das stand jetzt den ganzen Tag in der Warteschleife und ist bisserl überholt, aber sei's drum...)
gudrund hat geschrieben: Mittwoch 23. September 2026, 10:23 Wo ist denn der Unterschied zu einer Foto-Ausstellung eines Profi-Fotografen
Ich verstehe was du meinst. Schöpfungshöhe, Lichtbild und Lichtbildwerk mal außen vor ([Gäste sehen keine Links] -- wir hatten es ja hier schon mehrfach), und du hast ja Recht: potentiell sind das alles erstmal kreative und vielleicht auch künstlerische Schöpfungen. Und dokumentarische Arbeiten können zugleich künstlerischen Wert haben und anders herum. Allerdings, es kommt doch darauf an, in welchen Rahmen, in welchen Kontext ich das stecke, also mit welchem Beipackzettel ich dieses Kommunikations-Ding versehe…? Ich meine, es macht doch einen Unterschied, ob ich meine Bilder als Fotoreportage mit entsprechenden Texten anpreise oder, bei denselben Bildern, Marions Flaschentrockner in den Ausstellungsraum stelle, elektronische indische Musik dazu und schreibe, jedes Fotos sei nach dem Konsum dreier Weinflaschen entstanden und stelle die dadurch geläuterte Reinheit des Geheimnisses der Entropie dar …
Ob ich im ersten Fall (mal wieder zu Müll am Strand..) auf eine Klage wegen Rufschädigung hoffen dürfte (wegen der Publicity..) sei mal dahingestellt, aber gar im zweiten Fall?
Na gut, die Bilder können natürlich in beiden Fällen mehr oder weniger geklaut sein, auch da hast du natürlich Recht!
Also eigentlich sind das zwei sich teilweise überschneidende Problemfelder:
A - Das mit dem Urheberrecht
B - Das mit (nicht) versprochener und (nicht) eingehaltener Authentizität bzw. Wahrheit
Ich denke, das ist erstens) ein sehr weites und komplexes Feld, das für jeden Einzelfall anders aussehen kann. Und zweitens), dass KI-Kunst da kein Alleinstellungsmerkmal innehat. Die Probleme gibt und gab es ja schon immer, wenn sich Werke auf ein anderes beziehen oder ein anderes als Ausgangsbasis nehmen. Ein schönes Beispiel ist die sog. appropriation art. Da wurde schon viel gestritten und prozessiert. Jeff Koons z.B. der in einem Rechtsstreit um seine Arbeit „String of Puppies“ verloren hat. Das Gericht erkannte es nicht als Parodie an, da das Ursprungs-Foto zu unbekannt war (u. a.). Einen späteren Streit um die Arbeit „Niagara“ von 2000 gewann er allerdings. Grundlage der Argumentation war, dass es sich um eine faire Nutzung (fair use) handele, weil die Zweitverwendung „transformative“ sei, neue Ästhetik und Erkenntnisse ermögliche und der Charakter somit ein ganz anderer sei… Hm. Dieser Artikel der Schweizer Anwältin Irène Suter-Sieber hier referiert das 2016 knapp und verständlich:
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Ich finde, da ist schon – ganz ohne KI – sehr viel von unseren Problemen hier drin… Das war jetzt ein amerikanisches Beispiel. In der Schweiz, schreibt sie, sei das strenger und dort würde die Appr. Art generell unter Plagiatsverdacht gestrellt.. Es wird deutlich, wie schwierig das ist und wie unterschiedlich es bewertet werden kann. Und mit KI wird’s nicht einfacher…

Trotz aller Unterschiede – Auch in @cornettos Fall käme es ja irgendwie darauf an, wie man diese Transformation, den ästhetischen-semantischen Zugewinn bewertet… (Ich bin übrigens absolut kein KI-Apologet!! Aber ich denke, es ist gut, sich dem Drachen produktiv (entgegen) zu stellen und finde Bernds Ansatz mit dem Text-Werk-Bild spannend ...;) Wenn da wirklich eine Idee ist, hinter der man steht, muss man da vermutlich einfach durch, Es wird nicht ohne Prozesse zu machen sein, bis da irgendwann eine Linie gefunden ist. Und vermutlich muss die dann immer wieder neu verhandelt werden…

Gruß, thal

Hier noch weitere, etwas neuere Artikel:
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Und eine ganze, grundlegende Dissertation zu dem Thema von Eva-Maria Bauer (2020):
[Gäste sehen keine Links]
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A-dabadabadi - Kunst und KI - darf man das?

Beitrag von gudrund »

Oh man, war mein Kunstlehrer fortschrittlich: wir haben in den End-70ern Appropriation Art gemacht, und erst jetzt weiß ich, wie das hieß und was das war! :D :D
Ich habe den Caspar-David Friedrich mit dem Baum um ein geflicktes Zelt, eine Ente (2 CV) und ein Hippie-Pärchen "erweitert". (oder doch ohne Pärchen? vergessen........)

Jetzt hat es fast 50 Jahre gedauert, dass ich den Begriff dazu erfahre! WOW!

Der hat sich auch immer gefreut, wenn ich Beuys gegen alle anderen verteidigt habe.
Ach, wie toll war doch die Schule!
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A-dabadabadi - Kunst und KI - darf man das?

Beitrag von AnnetteK »

gudrund hat geschrieben: Mittwoch 23. September 2026, 21:07 Was die macht ist ein Abklatsch/Filtrat.
Ja für mehr ist das auch nicht gebaut. Ich glaube das Problem ist dieser Begriff künstliche Intelligenz.
Anderer Name wär besser, dann gäb es nicht so ulkige Erwartungen und Befürchtungen.
Um die Jahrtausendwende war ich mal kurz in einem Institut das Expertensysteme für medizinische Bereiche machte.
Expertensystem ist ein langweiliger Begriff, der niemanden beunruhigt.

Bei künstlicher Intelligenz folgen gleich so Ideen wie "kann es denken, wird es lernen zu fühlen, will es uns vernichten" und im Hintergrund die Terminator Filmmusik.

Wenn nun Bernd seine Bilder mit Hilfe eines weiter entwickelten Expertensystems das mit ihm in Dialog gehen und Schlüsse ziehen konnte
zusammengestellt hat, dann ist das doch völlig in Ordnung?
Langweilig und ungefährlich.

Ganz ab von Plagiaten und Urheberrechten, das ist hier nur ein Exkurs.
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Beitrag von Chrispie74 »

cornetto hat geschrieben: Mittwoch 23. September 2026, 21:08 Was macht denn z.B. ein fotorealistischer Maler in seinem Atelier? Er entwirft ein Bild, aber nach welchen Vorgaben bzw. Vorlagen? Alles selbst erdacht/designed oder vllt. auch Vorlagen aus Katalogen, Magazinen, Internet usw. benutzt?
Hier kann ich meinen Kunstlehrer anführen, der tatsächlich nur eigene Fotos verwendet hat. Seine fotorealistischen Gemälde werden inzwischen regelmäßig ausgestellt, genauso auch die Fotos selbst:
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http://www.cubus-kunsthalle.de/2020/heinz-josef-klassen-fotorealist-fotograf-bildhauer-ab-dem-31-10-2020 (wenn man hier durchscrollt, sieht man das Foto zu dem Tankstellengemälde).
Das auch, um ihn hier mal zu zeigen, wollte ich letztens schon, als in einem anderen Zusammenhang von Fotorealismus die Rede war (ich weiß nicht mehr, in welchem Thread... ;-)) Es war immer sehr interessant, seinen Ausführungen dazu zuzuhören, warum er seine Fotos nochmal malte, wo also die Unterschiede lagen zwischen dem Gemälde und dem Foto.
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Beitrag von Chrispie74 »

Ich habe im Beruf auf verschiedenen Ebenen mit KI zu tun. Es kommt mir so vor, als würden wir ausgerechnet Dinge, die wir gern tun, an sie auslagern: Malen, Fotografieren, Musik komponieren und spielen, Texten, Übersetzen, Trickfilme usw.

Früher war Automatisierung oft auf Arbeiten bezogen, die eher unangenehm oder körperlich anstrengend waren. Aber jetzt nimmt uns die KI das "geistig-Kreative" ab, und das macht mich etwas traurig, weil der Spaß verloren geht. Es ist einige Zeit lang ganz faszinierend, was man plötzlich alles herstellen kann, wofür man früher lange klöppeln musste, aber mir war es nach kurzer Zeit eigentlich fad, und es wird dann auch schnell wahnsinnig viel Material. Viele Menschen haben ja gute Ideen. Früher aber hatten die Götter den Schweiß vor das Ergebnis gesetzt, d.h. man musste erst die Technik lernen, um etwas herzustellen. Das schloss einen Zeitfaktor ein, der die lange Beschäftigung mit dem "Werk" bedeutete, ob es nun ein Buch war, das man schrieb, ein Stück, das man handwerklich herstellte, Forschung, die man betrieb, das Sprachenlernen, Malen, oder die Vorbereitung und Erstellung von Fotokunst usw.
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Beitrag von Chrispie74 »

Noch was zu dem Zahn-"Schmuck": Der Punkt an Marions Post war für mich, dass dieses Objekt einen Preis bekommen hat!!! Das verstehe ich auch nicht ganz. Vielleicht merkt man aber, dass es ein Industrie- bzw. Branchenpreis ist, der nicht künstlerisch-handwerklich motiviert ist, sondern andere Ziele hat (Werbung, Innovationsförderung usw.)?
nux hat geschrieben: Mittwoch 23. September 2026, 20:25 Wenn man zumindest etwas weiß, was vor sich geht, kann man sich auch selbst besser noch andere mögliche Wege und B- und C-Pläne vorstellen (und ja ich benutze das Fremdwort mit A absichtlich nicht)
Was denn für ein Fremdwort? Ich versteh von dem Text insgesamt mal wieder nur die Hälfte (wenn überhaupt...), auch der Bezug ist mir nicht klar. Bin übrigens trotz ständiger Beschäftigung mit dem Thema bei der Nostalgie-Fraktion, gerade, weil ich sehe, wie viele Fertigkeiten verloren gehen, weil sie gar nicht mehr gelehrt/gelernt werden (müssen). Ich finde das schade!

Viele Handwerke wie das Schmieden/Goldschmieden haben ja nicht umsonst diesen mythischen Aspekt, Feuer, Erz, Gold usw. Es ist so ein schöpferischer Akt, dessen Beherrschen uns also Menschen so auszeichnet und auch glücklich macht.

Ich frage mich immer, wo wir landen, wenn mal länger der Strom ausfällt oder was gehackt wird und nix mehr funktioniert (so bei mir im Job geschehen, ich sage Euch, das war nicht lustig...). Dieses "man muss mit der Zeit gehen", das auch bei nux anklingt – ja, kann sein, dass man nix ändern kann, aber vielleicht haben wir uns auch ein bisschen schnell unterworfen. Ich kann mich des Gefühls einer gewissen geistigen Verarmung und gleichzeitig größerer Abhängigkeit von externen Dynamiken, Algorythmen usw. nicht erwehren. Zwar prompte ich und stehe dann mit der KI in Austausch, und das ist irgendwie auch kreativ, aber die Bilder oder Texte, die sie mir vorschlägt, prägen ja auch wieder meine Wahrnehmung ganz anders als vorher in kreativen Prozessen, in denen man in der Auseinandersetzung mit dem "Werk" stärker auf sich selbst zurückgeworfen war. Man ist längst nicht mehr so sehr Herr über das, was das rauskommt wie wenn man es wirklich autonom gestaltet, finde ich...
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Euer Ralph (rup)

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