Schon spannend und lesenswert, welcher Bogen hier von euch zum Thema geschlagen wird, inklusive der durchaus interessanten Ausreisser z.B. zur Punk-Musik...
Will mich ja auch nochmal dazu äußern und klarstellen, dass ich beileibe kein überzeugter KI-Jünger bin – für mich nur ein Werkzeug in der Grundstufe – mag auch sehr gern das „echte“ Foto, wie z.B. mein Profilbild, welches in Handarbeit, ohne KI und ohne Photoshop entstanden ist, nur eine Idee, ein Flat-Eric, eine Banane, ein Stück Gaffatape, meine alte Sigma SD14 und meine etwas genervte Angetraute, weil ich zur Umsetzung an einem Samstagabend unseren Flur zum Fotostudio umdrappiert habe...
Im Kern habe ich aber schon die Themen Urheberrecht und, ich nenne es jetzt mal, Schöpfungstiefe herausgelesen. Habe mir dazu natürlich auch meine Gedanken gemacht.
Urheberrecht und KI - Bild, Stimme, Musik und Text – alles nur geklaut – Ausrufe- oder Fragezeichen
Ist es nicht eigentlich schon zu spät, zu versuchen hier Regeln zu finden? Spätestens seit ein paar Monaten die Kennzeichnungspflicht besteht, sieht man deutlich wie viele Bereiche inzwischen mit Hilfe von KI zumindest „aufgefrischt“ werden. Wie kann/will man hier noch das Rad zurückdrehen? Fernsehwerbung mit „geklauten“ Bildinhalten, Telefon-Chats mit Stimmen „von Unbekannten“, selbst Live-Musikstücke mit eingemischten Beats unbekannter Herkunft, und so weiter – inzwischen so vieles durchzogen – darf man also alles nicht wegen ungeklärten Urheberrechten oder wird dafür später zur Rechenschaft gezogen? Das kann ich mir nicht mehr vorstellen.
Natürlich muss eine Regelung gefunden werden, das Scannen von Musik, Artikeln, Fotos und Filmwerken, Stimmen oder Charakteren in irgendeiner Weise vernünftig zu vergüten, der KI bleiben ja auch noch genügend urheberrechts- und kostenfreie Quellen durch die Nutzerinnen und Nutzer ihrer in den Konzernen angeschlossenen „sozialen Netzwerke“, welche tagtäglich mit zig Millionen Bilder, Filmen und Texten gefüttert werden und laut der AGBs oft uneingeschränkt genutzt werden dürfen.
Die KI selbst hat inzwischen eine beachtliche erlernte künstlerische Schöpfungstiefe, kann Bilder interpretieren, Humor erkennen und selbst mitunter erstaunlich witzig sein. Natürlich alles von uns abgeguckt – aber machen wir das nicht genauso, mit lernen und abgucken?
Ich kann ein noch so guter Künstler sein, kann aber auch keine Sanduhr zeichnen, wenn ich vorher noch nie irgendwo eine Sanduhr gesehen habe.
Die KI kennt Bilder von hunderten Sanduhren. Sie schneidet aber kein Bild aus einem alten Neckermann-Katalog heraus und kopiert dieses in ein neues angefordertes Bild – das wäre viel zu kompliziert und ein wahrscheinlich komisches Ergebnis. Vielmehr wird aus vielen Erfahrungen eine in das angeforderte Bild passende Sanduhr errechnet – mitunter ein Unikat, manchmal ähnlich, vllt. auch fast gleich zu real existierenden Objekten – aber ist das eine urheberrechtlich fragwürdige Raubkopie oder ist schon das vllt. die Kunstfreiheit einer Maschine?
Irgendwie wurden doch schon die ersten Computer dem Menschen sehr ähnlich entwickelt. Da gibt es BIOS, Prozessor, Arbeitsspeicher, Festplatte, Grafikkarte und Netzwerkadapter.
Mit so einer Art BIOS kommt ein Mensch doch auch schon zur Welt – er atmet, die Organe funktionieren und er kann, ohne es zu erlernen, bestimmte Mimik und Situationen interpretieren. Dann kommt das Lernen und die Erfahrung dazu, über Kurzzeitgedächtnis verarbeitet, vieles davon im Langzeitgedächtnis abgelegt zur Wiedervorlage. Alles über Sehen, Hören und Sprechen kommuniziert.
Seele und Herz – das ist es wahrscheinlich, was fehlt. Eben genau das, was man in Worten nicht beschreiben kann, weil es dafür bisher in keiner Sprache Worte gibt. Und genau deshalb kann die KI dieses nicht leisten, weil, was man nicht beschreiben kann, kann man auch nicht abschreiben – Gefühle kann man nicht lernen.
LG Bernd