AnnetteK hat geschrieben: ↑Montag 31. August 2026, 21:07
Ich frage mich, ob jeder zu der Zeit so eine Mappe besaß?
Hallo Schmidtchen und Annette, ich glaube jeder musste einen Meldebogen ausfüllen, aber bei Leuten, die in der Partei waren, wurde halt genauer hingeschaut. Ich habe nochmal die Akten von meiner Oma und ihrem Bruder verglichen: Bei meiner Oma sind keine Zeugenaussagen usw. vorhanden, bei ihr steht einfach "nicht betroffen", sie war wohl klar entlastet. Leider finde ich die Quelle nicht mehr, in der stand, dass Menschen, die Lehrlinge ausbildeten, genauer überprüft wurden. Ihre Zwillingsschwester z.B., die Hausfrau war, hat gar keine Akte. Deshalb kann es auch nicht daran liegen, dass der Bruder N.zi war. Beim Bruder wiederum sind zahlreiche Zeugenaussagen aufgeführt, sowohl solche, die ihn be- als auch solche, die ihn entlasten. Er war in der Montanindustrie in höher Verwaltungsposition tätig gewesen und hatte dann ein kommunales Amt in einer Kleinstadt inne. Im Betrieb war er wohl sehr beliebt gewesen, hatte sich für seine Leute eingesetzt, auch für solche, die mit dem Regime in Konflikt geraten waren. Andere Zeugen berichten aber von großer Härte. Es ist ein ausgesprochen widersprüchliches Bild. Interessant finde ich das Ergebnis: Zunächst als Kategorie III eingestuft und mit einem Berufs- wie Ämterverbot belegt, wurde sein Fall nach seinem Widerspruch überprüft und er in Kategorie II eingestuft. Da er danach nur noch von Ehrenämtern ausgeschlossen war nehme ich an, dass II hier weniger schlimm ist. Das heißt, er wurde vom Minderbelasteten zum Mitläufer zurückgestuft, obwohl er in der Partei war und dort auch ein Amt bekleidet hatte. Das finde ich schon erstaunlich, weil er klar ein "Überzeugter" gewesen war... Vielleicht war er, ähnlich wie Dein Großvater, Schmidtchen, einfach als Arbeitskraft nützlich?