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Ein paar Kilo Meisterwerke die die Laune vermiesen

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  • Schmidtchen Offline
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Ein paar Kilo Meisterwerke die die Laune vermiesen

Beitrag von Schmidtchen »

Nein es gibt keinerlei Unterlagen.
Ich kannte nur ein einziges Foto mit ihm in Wehrmachtsuniform.
Die Familie wurde ja auch aus Schlesien vertrieben.
Er selbst kam dann aus der englischen Gefangenschaft nach.
Er war immer selbstständig, somit brauchte es wohl auch keine Entnazifierung.
Es wurde fast nie über den Krieg geredet.
Er war ein gebrochener Mann und erzählte von abgefrorenen Zehen in Sibirien und dass ihn die englische Gefangenschaft wohl gerettet hat.

Wie es zu der Gefangenschaft kam ist mir etwas rätselhaft. Fronturlaub am Ende des Krieges und dann bei den Engländern? Ich meine es waren 2 Jahre.
Dann mit den Zahlungen für Vertriebene im Sauerland der Neuanfang.
Zeitlebens jedoch nie der Versuch seine Familie zu finden.
Sein Bruder lebte noch und hat sich auch selbstständig gemacht.
Sie haben sich nie wieder gesehen.
Beschäftigt mich ein wenig, weil ich gerade mal wieder an meinem Familienroman arbeite.
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  • AnnetteK Offline
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Ein paar Kilo Meisterwerke die die Laune vermiesen

Beitrag von AnnetteK »

Das Schweigen der Generation über die Geschehnisse macht es so schwierig.
Und nicht nur die Täter schweigen, die Opfer auch.
Durch niederländischen Vater und deutsche Mutter habe ich beide Seiten in meiner Familie.
Unklare, vage Andeutungen gab es nur warum mein Großvater 1945 in Deutschland starb, meine Großmutter sprach nicht darüber und so wusste auch mein Vater nichts genaues.
Ich habe die Geschichte erst klären können als mein Vater starb und ich von seinem Stiefvater (die Großmutter heiratete später wieder) Unterlagen bekam über das Grab vom Großvater.

In Enschede wurden am 24. Oktober 1944 alle Männer zw. 18 und 60 Jahren aufgefordert sich mit festen Schuhen, Jacke und einer Decke zu versammeln.
Wer nicht kam, sich versteckte oder floh, wurde bei anschließenden Hausdurchsuchungen erschossen.
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Die versammelten Männer sollten als Zwangsarbeiter den Westwall weiterbauen.
Es waren Tausende, denn in anderen Städten nahe Deutschland (Hengelo, Almelo etc) wurden die Männer auch zusammen getrieben.
Mein Großvater war ein junger Mann, die Familie gerade gegründet, mein Vater, sein erster Sohn 3 Jahre alt und sein zweiter Sohn,
mein Onkel gerade erst seit ein paar Tagen auf der Welt.
Bis in den Februar 1945 war der Großvater Zwangsarbeiter am Westwall, irgendwo Nähe Kevelaer muss das gewesen sein.
Am 9. Februar war es allen dort klar, dass der Krieg für Deutschland enden wird, es handelte sich nur noch um Tage.
Die Soldaten bereiteten ihre Flucht vor, oder Rückzug oder wie auch immer das genannt wird.
Jedenfalls haben sie davor alle noch lebenden Zwangsarbeiter erschossen.
Da musste ich dann weinen - ich wein sehr selten - aber diese Kaltblütigkeit.
Wenn sowieso bald alles vorbei sein wird noch schnell die Menschen zu töten,
die Überlegung, keine Zeugen zurück zu lassen.

Wer weiß, was aus den Lagerbewachern wurde, wie sie sich durch spätere Befragungen winden konnten.
Ach gruselig.
  • Schmidtchen Offline
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Ein paar Kilo Meisterwerke die die Laune vermiesen

Beitrag von Schmidtchen »

Ich wohne in einem Haus, welches von Zwangsarbeitern gebaut wurde. Die Schule hier in der Straße liegt gegenüber des Parks, in dem die Ziegelei stand, wo die Ziegel für mein Haus von ebenfalls Zwangsarbeitern fabriziert wurden. Der Eingang zum Bunker ist gegenüber vom Eingang der Schule gewesen.
Aber was lehrt man in der Schule?
Ausschwitz und Co.
Dass aber die Geschichte gegenüber liegt erzählt keiner.
Auch nicht, dass die Kristallnacht hier in Essen begann durch die deutschen Unternehmer/Mittelschicht, die sich der jüdischen Konkurrenz entledigten.
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  • Chrispie74 Offline
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Ein paar Kilo Meisterwerke die die Laune vermiesen

Beitrag von Chrispie74 »

Schmidtchen hat geschrieben: Montag 31. August 2026, 15:27 dass die Kristallnacht hier in Essen begann
Meine Oma hat sie erlebt: Sie war damals in der Meisterschule, ging an dem Abend von der Innenstadt nach Hause und sah die Alte Synagoge brennen.

Hast Du das Landesarchiv NRW durchsucht?

Ich habe dort verschiedene Akten mit Familienbezug gefunden und fand das auch irgendwie verstörend. Ich habe z.B. die Entnazifizierungsakte meiner Oma gefunden: Als selbständige Schneidermeisterin, die Lehrlinge führte, wurde sie überprüft. Soweit ich weiß, galt das für alle Leute in Vorgesetztenpositionen.

Ich wusste aber auch vor der Lektüre schon, dass sie Anti-Nazi war, sie hatte im 3. Reich Ärger deswegen gehabt. Mit ihrem Bruder, der in der Familie immer sehr beliebt war, weil er wohl ein sehr netter Typ war, lustig, freundlich usw., hatte sie sich irgendwann wegen verschiedener Überzeugungen überworfen, aber Genaues wusste ich nicht. Vermutlich hat er sie geschützt. Es hieß immer, er habe nur Pimpfe durch den Wald geführt. Auch ihn habe ich in den Akten gefunden mit allerlei Zeugenaussagen usw. Er ist quasi sofort als es möglich war in die Partei eingetreten und hat es dann ziemlich weit gebracht. Ich muss sagen, ich war etwas schockiert. Zwar gab es schon vor meiner Geburt keinen Kontakt mehr, aber irgendwie fand ich es trotzdem schlimm. Tja, was macht man als Enkelgeneration jetzt mit diesen lückenhaften Infos? Es beschäftigt mich auch...
  • Schmidtchen Offline
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Ein paar Kilo Meisterwerke die die Laune vermiesen

Beitrag von Schmidtchen »

Das mit dem Landesarchiv NRW, was ich selbst schauen konnte habe ich getan. Aber nichts gefunden.
Er hatte keine Angestellten und kein Geschäft, somit brauchte er das wohl auch nicht.
Wobei ich auch nicht weiß, ab wann er selbstständig war.
Es wurde über so etwas nicht gesprochen.
Außerdem ist er ja auch schon über 40 Jahre tot.

Beim Bundesarchiv muss ich dann mal den Antrag stellen.
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Ein paar Kilo Meisterwerke die die Laune vermiesen

Beitrag von AnnetteK »

Von meinem deutschen Großvater haben wir hier eine dicke Mappe mit lauter Schreiben die er zu seiner Entlastung für die Entnazifizierung zusammen getragen hatte,
Briefe von Leuten die schrieben wie er ihnen geholfen hatte, dass er ein sehr netter Mensch war etc. Meine Kusine müsste die jetzt haben.
Ich frage mich, ob jeder zu der Zeit so eine Mappe besaß?
Ausserdem gibt es einen Brief in dem er 1938 seinen norwegischen Verwandten schreibt wie toll Deutschland geworden ist. Da war er Feuer und Flamme.
Später, in der Rückschau, wollte er davon nichts mehr wissen, oder konnte sich nicht mehr erinnern.
1945 war er dann von der Euphorie geheilt. Tja, zu spät.
Weil er norwegisch sprach war er erst Sprachlehrer in einer Offiziersschule in Berlin und dann wurde er nach Norwegen geschickt und arbeitete in der Zensurbehörde.
Jemanden direkt erschossen hat er also auch nie, doch wer weiß, wer mit Hilfe seiner Übersetzungen in Haft kam oder ermordet wurde.
Mitläufer, Mittäter, Gehilfen - das ist alles so schwammig.
  • Schmidtchen Offline
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Ein paar Kilo Meisterwerke die die Laune vermiesen

Beitrag von Schmidtchen »

"aus öffentlichen und halböffentlichen Ämtern und aus verantwortlichen Stellungen in bedeutenden privaten Unternehmen"

Laut Wikipedia.
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Das traf auf ihn nicht zu. 

Zudem nahmen die Engländer dass auch nicht so genau.
Er hatte den LKW Führerschein und wurde somit für den Wiederaufbau gebraucht.
Das war bei den Amerikanern strenger.
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Ein paar Kilo Meisterwerke die die Laune vermiesen

Beitrag von AnnetteK »

Schmidtchen hat geschrieben: Montag 31. August 2026, 15:27 Dass aber die Geschichte gegenüber liegt erzählt keiner.
Ja, in Bremen-Nord ist das der Bunker Valentin
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Die Zwangsarbeiter, die ihn erbauten, hatten einige Kilometer entfernt mitten in Wohngebiet ihre Lagerhallen.
Jeden Tag früh morgens und spät abends wurden mehrere Hundert Menschen durch die Wohnstrassen zum Bunker und zurück zum Lager geführt.
Es gibt noch einige Zeitzeugen die davon berichten können, Kinder die zu der Zeit nicht aus dem Fenster gucken durften.
Zum Gedenkort mit Museum wurde der Bunker erst 2012.
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