georgesjagd hat geschrieben: ↑Freitag 23. Januar 2026, 11:10
Ergänzungen

- na fein, danke - da hast Du auch was mitgebracht, was hier glaub noch nicht beleuchtet wurde. Also ein hübsches Mokkaservice als Tête-à-tête - gedacht für zwei. Die Bodenmarke ist in Literatur oder Verzeichnissen m.W. nicht so richtig dokumentiert. Die kann man daher erstmal nur von anderen und dem Stadtwappen ableiten - zwei Türme verbunden mit Brückengang und Torbogen. Und datieren kann ich sie jedenfalls daher auch nicht sicher.
Es dürfte sich bei 'St.P. mit zwei Türmen' um eine Erzeugnis der Stadtilmer Porzellanfabrik in Thüringen handeln. Zur Stadt selbst bei wiki; die Wappenbeschreibung dort ist zwar richtig; bei der Darstellung bin ich allerdings nicht sicher, ob es unter dem Brückengang nicht blau sein sollte
[Gäste sehen keine Links] - vgl.
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Die Geschichte der Porzellanfabrik ist zwar in großen Zügen bekannt; es mangelt jedoch an Details. Gegründet wurde sie 1896 als Zweigwerk der Ilmenauer Porzellanfabrik und 1917 wieder aufgegeben. Im Adressbuch der Keramischen Industrie 1906 gibt es z.B. auch keine Markenabbildung. Nach folgendem Artikel der Stadt begann eine erneute Produktion dann in 1920 und bis zum Abriss der Brennöfen 1958 liest man da nichts Näheres. Danach wurde Weißware zugekauft und nur noch bemalt/dekoriert. Auch wann genau die Eingliederung in den VEB Porzellanwerk Ilmenau stattfand sollte man ggf. noch nachsehen
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1927 kann man was zu hergestellten Artikeln lesen
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Und da kommt ins Spiel, warum man hier gerne was mehr zur Herkunft hat - gerade bei unklaren Dingen. Also hier bspw. - wenn aus der Familie - seit wann das kleine Service bekannt war.
Ich zeig mal einige Bsp. woran klarer werden kann, von wann Porzellane von dort sein können - die folgende Vase ist rein optisch klar 1950/60er
[Gäste sehen keine Links] - der Bodenstempel das Hauptmotiv des Stadtwappens im Schild mit Mauerkrone und zwei, rechts und links zwei Lorbeerzweige - beschriftet Stadtilm. Genau so das folgende Set, wo man zeitlich dann auch in die Richtung gehen kann
[Gäste sehen keine Links] - und eine Variante auf einem Set mit Lüsterglasur (das was so perlmutterartig und irisierend schimmert und mit (in Schreibschrift) 'Stadtilmer Porzellan' - darunter Made in Germany
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Ebenfalls bisher nicht dokumentiert habe ich diesen Stempel gefunden - 'Stadtilm' unter Krone
[Gäste sehen keine Links] - und so wie die Tellerchen aussehen, könnte das 1930/40er Jahre sein -auch dei folgende Tasse in dem Stil
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Und da wird ziemlich deutlich, dass es zwischen 1937 und ca. 1947 dein dürfte - da ist kein Gold drauf; das wurde durch Gelb und Ocker ersetzt; war zu Kriegszeiten und danach auch noch etwas auf Porzellan nicht erlaubt.
Bisher auch noch nicht gesehen hatte ich den - PV Stadtilm
[Gäste sehen keine Links] - die Kanne auch deutlich mid-century; ebenso
[Gäste sehen keine Links] - bei PV würde ich Porzellan-Veredelung denken, also dann nach 1958. Ob das stimmt oder es vllt. noch einen anderen Betrieb dort gab - ??
Und dann gibt es noch eine Bodenmarke, die ich in die spätere Zeit dann bei VEB Ilmenau denken würde - die Türme stärker stilisiert, auf einem Sockel mit ST∙P darin, das ganze hinterlegt mit einer Raute - lt. Anbieter 1960er Jahre
[Gäste sehen keine Links] - auch in blaugrün
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Anzunehmen ist momentan also, dass alle Turmmarken erst nach 1945 irgendwann verwendet wurden. Bei Lüsterglasur mit Königsblau und wieder Goldborten und -Rändern bei dem hier gezeigten Set: das ist auch eine der Geschmacksrichtungen der 1950/60er Jahre. Später würde ich das eher nicht mehr ansiedeln. Ob also das Porzellan da noch gemacht wurde oder eben dekoriert - ??
Ein Geschirr in Kobaltblau mit vergleichbaren (klassizistischen) Formen wurde der Stadt für ihe Porzellansammlung in 1917 geschenkt
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Man ist am Ort damit wohl recht aktiv; eine Ausstellung gab es 2023
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Wer zu der Manufaktur, Geschichte und Marken mehr weiß ... immer her damit

