Schmidtchen hat geschrieben: ↑Mittwoch 19. August 2026, 09:49
In der Zeit wurden ja auch gerne Gemälde um alten Stil mit alten Motiv gemalt.
Passend zu den neuen alt aussehenden Möbeln.
Ich weiß nicht genau, an welche Bilder du da genau denkst, aber vielleicht noch einmal allgemein zu Kopiererei und Stil-Revivals – Ich denke, da muss ein bisschen mehr differenziert werden nach Gattung/Genre/Thema/Zeit/Funktion und so weiter.
Die Entwicklung von Malerei-, Möbel- usw.-Stilen ist nicht bzw. selten komplett deckungsgleich, also es gibt z.B. schlicht kein Wiener Barock oder Neo-Rokoko oder wie auch immer in der Malerei. Vielleicht meinst du mit „altem Stil“ anekdotische Genreszenen oder Landschaften des späten 19./frühen 20. Jahrhunderts – die greifen aber eher auf den niederländischen ‚Realismus‘ des 17. Jahrhunderts zurück. Als geschätzte Vorbilder, nicht als Wiederholung. Und wir sind da eben bei Genre bzw. Landschaft, nicht beim mehr funktionsgebundenen Portrait, nicht beim 18. Jahrhundert. Solche Phänomene wie das Renaissance-Recycling der Nazarener oder die neugotische Skulptur sind noch einmal etwas anderes. Weil die aber eben in die spezifischen Gegebenheiten ihrer eigenen Zeit eingebettet sind, werden die auch als eigene Stile behandelt, die sich auch gut erkennen bzw. unterscheiden lassen. In den Physiognomien à la 19. beispielsweise – und so würde auch ein hypothetischer Wieder-Aufguss eines Rokoko-Portraits Spuren der Herstellungszeit zeigen. Und wo sind diese Spuren hier im Bild, also woran wäre das frühe 20. Jahrhundert hier konkret festzumachen?
Zur Kopie-Idee. Vielleicht wurde da an den Caravaggisten gedacht, den wir neulich hatten.
https://www.dieschatzkisteimnetz.de/vie ... hp?t=38194
Ok, Popstars wie Caravaggio bzw. Gemälde in diesem Stil wurden oft kopiert, die waren, solange dieser Trend anhielt, auch gefragt. Im 19./20. Jahrhundert dann wohl auch eher im akademischen Kontext. Aber wiederum eher Genrestücke oder Mythologisches etc. Kopien von Bildnissen brauchen mehr Gründe, warum man das möchte bzw. macht oder machen lässt, diese betreffende Person noch einmal abzubilden. Je weiter man sich dann vom zeitnahen Kontext entfernt, desto schwieriger (und unwahrscheinlicher) wird es, da Erklärungen zu finden. Sicher wurden in den Portraitkursen der Kunstakademien auch fleißig Bildnisse des 18. Jahrhunderts kopiert. Aber das waren eher Top-Stücke großer Namen, nicht so etwas eher biederes, wie hier. Natürlich kann man sich überlegen, dass ein Lord Hesketh-Fortescue eine Kopie in Auftrag gab, nachdem seine Sprößlinge per Fußball das Gemälde des lieben Ur-Opas von einer Wand in North Cothelstone Hall geholt haben, das dabei unglücklicherweise das Roastbeef vom Tisch fegte und daraufhin leider unrettbar von den beiden Bulldoggen Castor und Pollux zerfetzt wurde.. aber ..
Na ja, und man würde es eben auch sehen, besonders auch, wenn es eine amateurhafte Kopie zu Deko-Zwecken o.ä. wäre.
Schmidtchen hat geschrieben: ↑Mittwoch 19. August 2026, 09:49
Meinst du wirklich, dass das Gemälde so alt ist?
Hmm, also ja, das meinte ich

Also Überraschungen und Irrtümer gibt es ja immer, besonders mit besseren Fotos, neuen Quellen etc. Aber, wenn zunächst nichts darauf hin deutet, warum dann zunächst das Unwahrscheinliche dem Wahrscheinlichen vorziehen?