Guten Tag - Nux, das ist eine der am schwierigsten zu beantwortenden Fragen: wenn ein (versilbertes) Muster jeweils formgleich, aber mit zich verschiedenen Marken auftaucht - wer hat es dann tatsächlich hergestellt, wer nur weiterverkauft ? Dazu brauchte man die internen Unterlagen der Firma, die in den allerallermeisten Fällen nicht mehr existieren oder, falls erstaunlicherweise doch, nicht so einfach zugänglich sind. Nur ein Beispiel (denn da haben wir jede Menge Unterlagen): die
WMF (von der man das nicht erwarten würde) hat noch 1911 über 90 (neunzig !!!) Prozent ihrer Bestecke nicht selber hergestellt, sondern von
Wellner in Aue bezogen ! Zwar gibt es keine
WMF-Muster mit
Wellner-Marke und umgekehrt (jedenfalls sind mir keine bekannt), da wurde also streng auf Trennung geachtet, in vielen anderen Fällen war das aber anders. So hat
Wellner etwa diverse Silbermuster von Koch und Bergfeld mit
Wellner-Marke in versilberter Version auf den Markt gebracht (und - behaupt ich mal - wohl auch gleich hergestellt), diese versilberten Muster hatte parallel aber Koch und Bergfeld auch noch mit eigener Marke selber im Angebot (wenn sie das als Silberwarenfabrik auch nicht forciert haben), ausserdem gab es diverse andere "Hersteller" (vulgo: Versilberungsanstalten bzw. reine Vertreiber), die diese Muster als eigene mit eigener Marke anboten. Also Fälle wie anfangs beschrieben: ein Muster, zich Marken. Und vermutlich nur ein originärer Hersteller. Denkbar dass
Wellner, der ja auch ne Menge exportierte, so etwas auch mit auswärtigen Besteckherstellern/vertreibern machte. Und dass die "Französische Lilie" so ins Programm diverser Firmen gelangte. Ob das
Wellner nach Ende des Ersten Weltkriegs verstärkt innerhalb Europas so betrieb, weil die Firma die aussereuropäischen Exportmärkte weitgehend verloren hatte ? Wer weiss. Was Lilie angeht: die taucht erst nach 1918 in den
Wellner-Katalogen auf und da gibt es gleich schon wieder ein Problem: 1924 hat das Muster die Musternummer 321, im Katalog von 1927 aber die Nummer 331. Warum ? Druckfehler im früheren Katalog ? 1935 ist das Muster, egal unter welcher Nummer, nicht mehr im Katalog der regulär lieferbaren Muster gelistet. Bedeutet: Abverkauf der noch am Lager befindlichen Teile, ansonsten Sonderanfertigung bestellter, aber nicht mehr vorrätiger Teile ein oder zweimal im Jahr zu entsprechenden Preisen. Das machten auch Silberwarenfabriken so, die die was auf sich halten bis heute. Bei der
WMF konnte man noch mindestens bis in die 1990er Teile nachbestellen. Wenn das "Werkzeug" (die Gesenke) noch brauchbar waren, haben die das auch ein- oder zweimal im Jahr gemacht. Ein versilberter Kaffeelöffel von "New York", der schon lange nicht mehr lieferbar war, kostete dann 48 Mark. Dafür konnte man damals noch ne Menge Sprit kaufen. Ach ja. Fazit des langen Riemens: Datierung eher so ab zweite Hälfte der 1920er bis Mitte der 1930er Jahre, nicht häufig, aber auch für ganz harte
Wellner-Sammler jetzt nicht so der Burner. Gruss marker