Hallo :slightly_smiling_face:
also - hab mir das Tortelding jetzt kurz angeschaut und - sehe bloß leider nicht, was eigentlich ziemlich wichtig für eine Beurteilung wäre. Das Stück im Ganzen, vorn & hinten, Detailaufnahmen bei vernünftiger Beleuchtung (draußen bei Tageslicht) - oder ist der Rand rosafarbenes Metall? oder silbrig? wie verschrammt oder abgenutzt oder rostig ist der ist tatsächlich? ist auf der Rückseite im Boden noch irgendwas eingepresst? Nummer(n)? hat die Glasur auf der Vorderseite ein ausgeprägtes Krakelee in der Glasur, so wie man das von dem Markenbild hinten annehmen darf? ist in diese Risse quasi was eingezogen, was das 'weiß' so fleckig erscheinen lässt?
Dann - die zeitliche Zuordnung von Bodenstempeln der Dresdner Manufaktur ist grundsätzlich immer so eine Sache; vieles dürfte da auch noch nicht geklärt oder zumindest nicht sicher sein.
Aber die eine verlinkte Seite irrt vermutlich in zweierlei Hinsicht
Weinstock hat geschrieben: ↑Montag 2. August 2021, 17:38Aufgrund des Stempels vor 1918.
das ist so erstmal nicht gesagt; denke aber auch eher nicht und zwar auf Grund des Dekors - sowas dürfte m.E. später sein, egal ob man das jetzt Art déco oder Bauhaus nennen möchte - für geometrischen Jugend- oder auch Reformstil ist das schon wieder zu geometrisch, zu - Muster.
Weil bei der Sache mit den Zusätzen ist m.W. nämlich ein Denkfehler drin oder fehlendes Hintergrundwissen. Warum hat V&B Dresden denn das englische 'Saxony' oder auch 'Made in Germany' (aber glaube nicht beides zusammen) überhaupt verwendet? richtig, für den Export dahin, wo man das versteht, also englischsprachige Länder (international auch, aber das mal beiseite). Warum das überhaupt? weil erforderlich - zitiere mich mal selbst "Man kann bei einer solchen Kennzeichnung entweder was in Richtung des englischen Merchandise Marks Act 1887 oder aber noch eher das amerikanische Pendant, den McKinley Tariff Act 1890 mit dazu denken. Bei ersterem hieße es aber gleich dazu 'Made in', was beim zweiten erst ab 1923 Pflicht wurde. In der Zwischenzeit kam häufig eben nur das Land drauf oder aber eben auch 'Foreign' . ... Zum Nachlesen dazu das Gröbste dort
[Gäste sehen keine Links] "
viewtopic.php?f=24&t=23602&p=137269
Was bedeutet, wenn da 'Saxony' als Herkunft steht, ist das klar vor/bis 1918, weil das Königreich Sachsen nunmal nicht länger bestand, sondern dann erst als Freistaat Teil des Deutschen Reiches wurde. Zur Zeit des Deutschen Kaiserreiches war es zwar Bundesstaat, ja, aber eben. Das reichte für den Export in die USA bis 1923 aber auch aus; für England fehlt da eh das 'Made in'. Beste Belege sind eindeutige Jugendstil-Stücke oder noch besser: noch ältere Objekte, welche sich seither in den Staaten aufhalten. Bspw.
die Mohnblumen
[Gäste sehen keine Links]
Kännchen ziemlich sicher einiges vor 1900, mit blauem Stempel
[Gäste sehen keine Links]
Teller mit Hortensien, blauer Stempel, ohne Zusatz - entweder vor 1890 oder privat mitgebracht
[Gäste sehen keine Links]
Platte aus dem Pommern-Service, J.M. Olbrich zugeschrieben, 1901, brauner Stempel, ohne Zusatz. Mit ziemlicher Sicherheit daher privat eingewandert
[Gäste sehen keine Links]
Wenn man sich die Sachen um 1900 auch genauer noch ansieht, finden sich zusätzlich die (bisher wohl nicht interpretierbaren) Pressmarken aus Buchstaben und Zahlen in einer Art tonnenförmigem Umriss - wie lange die verwendet wurden - ?? zum Ansehen dort ganz unten auf der Seite
[Gäste sehen keine Links]
Dann aber auch, um die Verwirrung zu vervollständigen - Krug, sieht aus wie Jugendstil wie man ihn sich vorstellt, brauner Stempel und - 'Made in Germany'
[Gäste sehen keine Links] - ja-ha. Was also wäre da die Erklärung? eigentlich nur eine Wahrscheinlichkeit, nämlich eigentlich für England (oder anderswo) so gemarkt und von da aus in die USA gelangt. Da man aber praktisch so gut wie keine alten V&B-Sachen in UK antrifft? doch später entstanden? ich - weiß es nicht.
Der langen Rede - bei V&B- (gerade) Dresden- Stücken, die keinerlei weitere Beschriftung tragen, kann man die eben nicht zwangsläufig vorhandenen Export-Zusätze auch gar nicht zur zeitlichen Einordnung heranziehen. Und - es gab auch blaue Stempel, bis wann?
Nur wenn sie da sind: 'Saxony' vor/um 1890-1918 und 'Made in Germany' ab ca. 1887 schon (theoretisch) für UK und möglicherweise seit 1918, spätestens 1923 (auch) für die USA.
Was später bei vielen Manufakturen in den 1930ern folgte, war der Zusatz 'Germany', aber eben nur das
Randbemerkung - die Sache mit 'Bavaria' u.a. verhält sich streckenweise ähnlich, auch das war Königreich. Denn, das ist nicht nur (wie oft angenommen) die latinisierte Form von Bayern, sondern auch die englische...
Gruß
nux